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Was ist vorteilhafter, wenn man ETFs thesauriert oder ausschüttet?


Wenn Du in ETFs investieren willst, hast Du die Wahl zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs. Das bedeutet: Soll der ETF Dividenden an Dich ausbezahlen oder damit Index-Aktien nachkaufen?

In diesem Artikel schauen wir genau auf die Unterschiede, für wen sich welche Variante eignet und sprechen auch über Steuern. 


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Ausschüttende versus thesaurierende ETFs: Die Unterschiede

VIDEO: Deshalb investiere ich nicht mehr in ausschüttende ETFs - sondern in thesaurierende
der passive Investor

Um den Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs zu verstehen, müssen wir wissen, was eine Dividende ist.

Eine Dividende ist eine Gewinnausschüttung von Unternehmen an ihre Aktionäre. Wenn Du in einen ETF investierst, investierst Du in eine Vielzahl von Vermögenswerten, zum Beispiel Aktien. 

Wenn die Unternehmen hinter den Aktien nun eine Dividende ausschütten, hat der ETF-Anbieter die Wahl, ob er die Erträge an die Anleger ausschüttet oder wieder im Fonds anlegt. 

  • Schüttet der ETF Dividenden an die Anleger aus, handelt es sich um einen ausschüttenden ETF, auch Ausschütter genannt. Auf Englisch: Distributing ETF (dis). 
  • Legt der ETF Dividenden wieder an, kauft damit also anteilig ETF-Aktien nach, spricht man von einem thesaurierenden ETF, auch Thesaurierer genannt. Auf Englisch: Accumulating ETF (acc).

Chancen und Vorteile

VIDEO: Ausschüttende ETFs vs. Thesaurierende ETFs: Das ist der Unterschied! | justETF
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Jede der beiden ETF-Arten bringt gewisse Vorteile. Schau Dir diese gut an, um zu entscheiden, welchen ETF Du kaufen willst.

Vorteile von ausschüttenden ETFs: Passives Einkommen

VIDEO: Steuern optimieren mit ETF: Optimale Aufteilung zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETF
Finanzfluss

Der Vorteil von ausschüttenden ETFs: Weil regelmäßig eine Dividendenzahlung auf Deinem Konto gutgeschrieben wird, kannst Du mit ausschüttenden ETFs ein passives Einkommen aufbauen. 

Die Dividendenrendite, also das Verhältnis zwischen Dividende und investiertem Vermögen, beläuft sich dabei bei den meisten ETFs auf maximal 2 bis 3 Prozent.

Wozu den Ausschütter wählen? Wenn es am Aktienmarkt mal ruckelt, Dein ETF vielleicht an Wert verliert, kannst Du Dich manchmal trotzdem über ein kleines Einkommen freuen. Manche Anleger planen die Dividendeneinkünfte auch für kleinere Anschaffungen ein und beziehen sie steuerfrei (dazu weiter unten mehr).

Vorteile von thesaurierenden ETFs: Höhere Renditen durch Zinseszinseffekt

VIDEO: AUSSCHÜTTEND vs. THESAURIEREND - Vergleich von zwei 100.000€ ETF DEPOTS 2012-2022 | Youth Financials
Youth Financials

Bei thesaurierenden ETFs wird die Dividende hingegen einbehalten und reinvestiert. Das bedeutet, der Fonds kauft anteilig neue Indexaktien nach. Dadurch kannst Du vom sogenannten Zinseszinseffekt (ZZE) profitieren. 

Doch wie funktioniert der genau? Um das zu sehen, müssen wir einen ausschüttenden und thesaurierenden ETF gegenüberstellen.

Beispiel: Zinseszinseffekt

Angenommen, Du kaufst ETF-Anteile im Wert von 10.000 Euro und hältst diese 10 Jahre lang. Jedes Jahr gewinnt der ETF 7 Prozent an Wert. Die Dividenden betragen 2 Prozent des Anlagevermögens. Steuern können wir vernachlässigen, sie fallen unter den Sparerpauschbetrag.

Zinseszinseffekt beim Beispiel-ETF

Nach 10 Jahren hätte ein ausschüttender ETF etwa 2.500 Euro an Dividenden ausbezahlt und wäre knapp 16.300 Euro wert. Ein thesaurierender ETF wäre gut 19.670 Euro wert. 

Wir sehen: Der Wert des Ausschütters plus Dividenden (18.800 Euro) ist geringer als der Wert des Thesaurierers (19.670 Euro). Die 870 Euro Plus sind auf den Zinseszinseffekt zurückzuführen. 

Der ZZE ergibt sich daraus, dass die wieder investierten Beträge (Dividenden) ebenfalls von der jährlichen 7-prozentigen Rendite profitieren. Die ausgeschütteten Dividenden hingegen bringen keinen weiteren Ertrag. 

Risiken und Nachteile

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Nachdem wir auf die Vorteile von ausschüttenden und thesaurierenden ETFs geschaut haben, kommen wir zu den Nachteilen.

Risiken bei ausschüttenden ETFs

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Dividenden sind nicht garantiert. So kann ein Unternehmen, etwa wenn das Geschäftsjahr nicht so erfolgreich war wie erwartet, beschließen, die Dividende zu kürzen oder zu streichen. Als Anleger kannst Du in dem Fall nichts tun, sondern musst auf Deine Auszahlung verzichten.

Während der Corona-Krise haben zum Beispiel Unternehmen wie die Lufthansa (2020-2022) oder Airbus (2020) die Dividende gestrichen. ETFs, die diese Aktien enthielten, schütteten entsprechend weniger aus, als vorher angenommen.

Risiken bei thesaurierenden ETFs

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Mögliche Verluste durch den Dispositionseffekt

Legt ein ETF Dividenden wieder an, verliert aber über längere Zeit an Wert, hättest Du zu keiner Zeit einen Gewinn oder positiven Geldstrom erzielt. 

Manche Anleger tendieren daher dazu, verlustreiche (thesaurierende) ETFs zu halten und gewinnbringende (ausschüttende) ETFs zu verkaufen. Dieses Phänomen nennt man auch Dispositionseffekt. 

Weniger Flexibilität

Manche Anleger nutzen die Dividende, um damit in andere Anlagen, etwa Aktien oder einen Sparplan, zu investieren. Das kann ggf. mit weiteren Orderkosten und Gebühren einhergehen. Achte bei der Brokerwahl daher auf die Kosten. Günstige und gute Broker findest Du in unserem Online-Broker-Vergleich 2023. 

Wie Du Dir sicher denken kannst, lautet die Antwort: Es kommt darauf an. 

Generell kann man sagen, dass sich thesaurierende ETFs eher für solche Anleger eignen, die langfristig Vermögen aufbauen und den Zinseszinseffekt voll mitnehmen wollen.

Ausschüttende ETFs kommen hingegen für alle infrage, die zwischenzeitliche Erträge schätzen. Entweder, um mit ihnen Projekte zu finanzieren oder um sie in andere Anlagen zu investieren. 

Wer schlau vorgeht, kann mit ausschüttenden ETFs auch Steuern sparen. Ist Dein Anlagebetrag nicht allzu hoch und die Dividenden pro Jahr nicht mehr als 1.000 Euro wert, kannst Du sie über den sog. Sparerpauschbetrag abgelten.

Das bedeutet, Du bezahlst keine Abgeltungssteuer und bekommst die volle Bruttodividende gutgeschrieben. 

Verbleiben die Dividenden im Fondsvermögen, bezahlst Du hingegen die Steuern darauf erst, wenn Du den ETF verkaufst. Sie sind also Teil des Verkaufserlöses. Je nach Wertentwicklung und Anlagesumme kann der Verkaufserlös schon mal über 1.000 Euro liegen. 

Anders als beim Ausschütter musst Du beim Thesaurierer beim Verkauf also häufig zumindest einen Teil Deiner Dividenden versteuern.

Welche Unterschiede gibt es bei der Steuer?

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2018 hat der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine Investmentsteuerreform durchgesetzt. Fortan sollten alle Fonds und ETFs spätestens zum Verkauf steuerlich gleichberechtigt sein. Schäuble wollte so Steuerschlupflöcher schließen. 

Auch thesaurierende und ausschüttende Fonds sind damit beim Verkauf steuerlich gleichwertig. Zuvor können sich aber die Abgaben leicht unterscheiden. Das hängt von mehreren Faktoren ab: 

  • der Wertentwicklung des Fonds,
  • der Höhe der Dividenden,
  • des sogenannten Basiszins des Bundesfinanzministeriums (BMF), der die Höhe der (neuen) jährlichen „Vorab-Steuer” oder „Zwischensteuer” bestimmt,
  • dem Sparerfreibetrag, der noch zur Verfügung steht. 

Eine allgemeine Aussage darüber, bei welchem ETF zwischendurch mehr Steuern anfallen, ist aufgrund der zahlreichen Variablen kaum zu treffen. 

In einer realitätsnahen Beispielrechnung haben wir jedoch herausgefunden, dass die Steuerlast zwischendurch nicht mehr weit auseinander liegt. Den Sparerpauschbetrag haben wir hierbei nicht berücksichtigt.

Alle Rechenbeispiele und mehr Details findest Du im Ratgeber Steuern auf ETFs. 

Empfehlungen für verschiedene Anlageziele

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Entscheidend für die richtige Auswahl von ETFs ist auch, welches Ziel Du mit Deiner Investition verfolgst.

Vermögensaufbau

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Wenn Dein Hauptziel der Vermögensaufbau ist, dürften thesaurierende ETFs die richtige Wahl für Dich sein. Dann werden Erträge ohne eigenes Zutun reinvestiert und der Zinseszinseffekt vermehrt Dein Geld zusätzlich.

Passives Einkommen

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Dr. Armin Pszola | EINFACH INVESTIEREN

Wenn Du ein passives Einkommen aufbauen willst, solltest Du auf ausschüttende ETFs setzen. Denn so erhältst Du regelmäßig Erträge, ohne Anteile Deiner ETFs verkaufen zu müssen.

Altersvorsorge

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Andreas Joest

Dividenden kannst Du im Alter natürlich nutzen, um Deine Rente aufzubessern. Da kommt es aber auf die Höhe Deines angesparten Vermögens an. Die Ausschüttungen allein dürften betragsmäßig selten reichen. 

Stattdessen solltest Du ergänzend über einen Entnahme- oder Auszahlplan nachdenken: Du verkaufst jeden Monat ETF-Anteile im Wert von vielleicht 1.000 Euro. Der Rest Deines ETF-Vermögens bleibt liegen und entwickelt sich weiter. 

Grundsätzlich eignen sich Ausschütter und Thesaurierer für einen Entnahmeplan. Nur dass bei ersterem noch Dividenden dazukommen. Einige Banken bieten bereits Entnahmepläne an, also einen dauerhaften Auszahlungsauftrag. Du kannst aber auch jeden Monat eine neue Verkaufsorder setzen.

Wichtig: Wenn es am Aktienmarkt nach unten geht, solltest Du Deine Entnahmen auch mal zwischenzeitlich aussetzen können, um Dein Guthaben nicht zu sehr zu schwächen. 

Häufige Fragen zu thesaurierenden und ausschüttenden ETFs (FAQs)

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Wie reinvestieren thesaurierende ETFs?

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Wenn ein Unternehmen eine Dividende ausschüttet, fließt diese bei einem ETF zunächst an den Fondsverwalter, also den ETF-Anbieter. Dieser kauft mit der Dividende sofort anteilig Indexaktien nach, sodass insgesamt der Kurs des ETFs steigt.

Wann zahlt ein ausschüttender ETF Erträge aus?

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Finanzfluss

Das kommt ganz auf den ETF an. Je nach ETF werden die Erträge monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich ausgeschüttet.

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Author: Melissa Lynch

Last Updated: 1697838361

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Name: Melissa Lynch

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Job: Museum Curator

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